Freitag, 05. März, 2010
Stellungnahme des FC St. Pauli
Liebe Fans des FC St. Pauli,
auch wir haben leider zur Kenntnis nehmen müssen, dass nach der Vergabe der Quittungen für die Dauerkarten Südkurve für die kommende Saison viele Fans enttäuscht sind, weil sie keine der begehrten Papiere erhalten haben.
Wir haben etliche Schreiben erhalten, die auf einzelne Punkte hinwiesen und Forderungen unterschiedlicher Ausrichtung enthielten. Nachdem wir in den vergangenen Tagen etliche Gespräche geführt haben, versuchen wir nun der Einfachheit halber, hiermit umfassend Stellung zu beziehen und ein wenig Licht in die Angelegenheit zu bringen, soweit uns dies möglich ist.
Zunächst einige grundsätzliche Punkte:
Das Projekt „Ab in den Süden“ als Bezeichnung für eine (die erste?!) ausschließliche und als solche bezeichnete Fankurve beim FC St. Pauli wurde vor einigen Jahren in Zusammenarbeit des Vereins mit dem Fanladen als Fanprojekt der Hansestadt Hamburg und der Fangruppe Ultrà Sankt Pauli ins Leben gerufen. Durch verschiedene Mechanismen (kein Vorkaufsrecht auf Dauerkarten, mindestens 600 Einzelkaten pro Spiel etc.) sollten negative Erfahrungen aus anderen Stadionbereichen, vor allem Gegengerade, vermieden werden. Jüngere, nachrückende Fans sollten die Gelegenheit erhalten, beim FC St. Pauli herein schnuppern zu können. Es ist immer und deutlich von allen Beteiligten kommuniziert worden, dass man sein Vorkaufsrecht verliert, wenn man aus einem anderen Stadionbereich in den Stehplatzbereich der Südkurve wechselt! Dies ist deshalb wichtig zu betonen, weil einige der sich nun beschwerenden Fans diese Tatsache offensichtlich verdrängt haben.
In den ersten beiden Jahren verlief das Prozedere auch weitgehend störungsfrei und das Ergebnis, eine laute und bunte Fankurve, die für das gesamte Stadion optische und akustische Glanzpunkte setzen konnte, war und ist sicher durchaus bemerkenswert.
Nun haben wir es in dieser Saison „leider“ mit für den FC St. Pauli außergewöhnlichen Umständen zu tun: Zum einen fehlt eine Tribüne, so dass enorme Kartenknappheit herrscht und zum anderen spielt die Mannschaft sehr ansehnlich, so dass die Kartenknappheit sogar noch forciert wird. Ein Luxusproblem par excellence, um das uns sicher etliche andere Vereine beneiden.
So kam es dann am vergangenen Samstag erstmal seit dem Projektbeginn, dass am ersten Ausgabetag bereits deutlich mehr Interessenten vor Ort waren, als später Dauerkarten zur Verfügung stehen. Dass dies irgendwann einmal so eintreten kann, ist nicht weiter verwunderlich und liegt möglicherweise in der Natur der Sache (und ich wiederhole mich: dies war vorher bekannt!).
Anders als im letzten Jahr war allerdings, dass sich im Verlauf des Vormittags etliche (die Schätzungen gehen ja bis 500) Leute schlicht und ergreifend vorgedrängelt haben. Um es deutlich zu sagen: Dies ist auch aus Sicht des Vereins schlicht nur als asozial zu bezeichnen. Ein solch unsolidarisches Verhalten sollte eines St. Pauli Fans nicht würdig sein! Auch einige andere Verhaltensweisen in oder an der Warteschlange mussten wir mit Kopfschütteln zur Kenntnis nehmen und daraus die Erkenntnis ziehen, dass sich offensichtlich nicht wenige unserer Fans genauso benehmen, wie sie es von Teilen unserer Gesellschaft vorgelebt bekommen: Ellbogen raus und nach mir die Sintflut! Von der Lärmbelästigung unserer Nachbarn und dem Müllberg mal ganz zu schweigen.
Im Nachhinein ist dies nicht zu ändern, wir müssen nun aber sehen, dass wir für die Zukunft besser vorbereitet sind. Es sind in den letzten Tagen etliche Verbesserungsvorschläge unterbreitet worden, was den Tag der Karten- bzw. Quittungsausgabe betrifft. Das ein oder andere dabei ist durchaus überlegenswert. Am Ende bleibt jedoch leider die Erkenntnis: Egal, wie man es macht, zum Schluss wird sich definitiv irgendwer benachteiligt fühlen, weil das Grundproblem (zu wenig Karten) vorläufig nicht zu beseitigen ist. Auch der Ansatz, mit massivem Ordnereinsatz und etlichen Gittern die Warteschlange zu bändigen ist nicht wirklich glücklich. Was wäre am Samstag wohl passiert, wenn Ordner unter Einsatz vom sog. „unmittelbaren Zwang“ Vordrängler entfernt hätten? Ich glaube, das wollen wir uns alle lieber nicht vorstellen.
Was uns zusätzlich erschreckt hat: Einige Mail- oder Briefschreiber schießen in ihrem Frust etwas weit übers Ziel hinaus, beschimpfen in unnötig rabiater Art und Weise wahlweise den Verein, den Fanladen oder USP, teils vermischt mit abstrusen Unterstellungen. Wir erinnern daran, dass in den damaligen Gesprächen den Partnern von Fanladen und USP deutlich gesagt wurde, dass der Verein das Projekt sofort beenden wird, sollte es zu Unregelmäßigkeiten dahingehend kommen, dass die Kartenvergabe nach „Vitamin B“ abläuft, dass also das Prinzip „first come – first serve“ unterlaufen wird. Um es deutlich zu sagen: Etliche Mitglieder von USP haben ebenfalls keine Quittung erhalten. Aus den gleichen oben benannten Gründen, wie andere auch.
Wie gehen wir also nun damit um? Zunächst müssen wir erkennen, dass das Konzept der Südkurve schon da an Grenzen stößt, dass sich niemand nur freiwillig für diesen Stadionbereich um eine Karte bemüht, sondern oft schlicht deshalb, weil es durch den Stadionumbau bedingt keine andere Möglichkeit gibt, eine Dauerkarte zu erhalten. Wir haben uns mit den anderen Beteiligten in Ruhe hingesetzt und versucht, Möglichkeiten zu eruieren, zumindest für die kommende Saison eine Lösung zu finden, dass ein Teil der Leute noch mit Karten versorgt werden können, die am Samstag leer ausgegangen sind. Hierfür müssen aber zunächst eine ganze Menge Daten ausgewertet werden um herauszufinden, über welche Zahl wir reden. Von daher bitten wir um Geduld, da dieses Prozedere sich noch etwas hinziehen wird. Wir sind dran!
Da der Bau der neuen Gegengerade (welche dann eine spürbare Entlastung bringen wird) erst in 2 Jahren realisierbar sein wird, müssen wir auch darüber sprechen, inwieweit das Konzept der Südkurve bis dahin umsetzbar ist oder welche Maßnahmen greifen müssen, um Zustände wie am vergangenen Sonnabend zu vermeiden. Diese Gespräche werden wir mit der gebotenen Sorgfalt führen. Schlussendlich wollen eigentlich alle nur eins: Den FC St. Pauli unterstützen. Und zwar so, wie jeder und jede es für richtig hält. Keiner ist besser oder schlechter als der andere! Nur müssen wir uns alle wieder darauf besinnen, was es heißt, St. Pauli-Fan zu sein. Dies sollte nämlich auch beinhalten, andere Fans unabhängig von Alter, Geschlecht, Dauer des Fanseins oder Intensität der Anfeuerung im Stadion zu tolerieren. Da sollte doch zumindest so lange zu schaffen sein, bis das Stadion wieder mehr Raum bietet, so dass jeder und jede eine Ecke findet, die einem zusagt.
Wenn wir eine praktikable Lösung gefunden haben, bzgl. der kommenden Saison zumindest einiges Leid abzumildern, lassen wir es Euch sofort wissen!
Forza St. Pauli
Sven Brux
Leiter Organisation und Sicherheit
St. Pauli, 05.03.10
Zunächst einige grundsätzliche Punkte:
Das Projekt „Ab in den Süden“ als Bezeichnung für eine (die erste?!) ausschließliche und als solche bezeichnete Fankurve beim FC St. Pauli wurde vor einigen Jahren in Zusammenarbeit des Vereins mit dem Fanladen als Fanprojekt der Hansestadt Hamburg und der Fangruppe Ultrà Sankt Pauli ins Leben gerufen. Durch verschiedene Mechanismen (kein Vorkaufsrecht auf Dauerkarten, mindestens 600 Einzelkaten pro Spiel etc.) sollten negative Erfahrungen aus anderen Stadionbereichen, vor allem Gegengerade, vermieden werden. Jüngere, nachrückende Fans sollten die Gelegenheit erhalten, beim FC St. Pauli herein schnuppern zu können. Es ist immer und deutlich von allen Beteiligten kommuniziert worden, dass man sein Vorkaufsrecht verliert, wenn man aus einem anderen Stadionbereich in den Stehplatzbereich der Südkurve wechselt! Dies ist deshalb wichtig zu betonen, weil einige der sich nun beschwerenden Fans diese Tatsache offensichtlich verdrängt haben.
In den ersten beiden Jahren verlief das Prozedere auch weitgehend störungsfrei und das Ergebnis, eine laute und bunte Fankurve, die für das gesamte Stadion optische und akustische Glanzpunkte setzen konnte, war und ist sicher durchaus bemerkenswert.
Nun haben wir es in dieser Saison „leider“ mit für den FC St. Pauli außergewöhnlichen Umständen zu tun: Zum einen fehlt eine Tribüne, so dass enorme Kartenknappheit herrscht und zum anderen spielt die Mannschaft sehr ansehnlich, so dass die Kartenknappheit sogar noch forciert wird. Ein Luxusproblem par excellence, um das uns sicher etliche andere Vereine beneiden.
Anders als im letzten Jahr war allerdings, dass sich im Verlauf des Vormittags etliche (die Schätzungen gehen ja bis 500) Leute schlicht und ergreifend vorgedrängelt haben. Um es deutlich zu sagen: Dies ist auch aus Sicht des Vereins schlicht nur als asozial zu bezeichnen. Ein solch unsolidarisches Verhalten sollte eines St. Pauli Fans nicht würdig sein! Auch einige andere Verhaltensweisen in oder an der Warteschlange mussten wir mit Kopfschütteln zur Kenntnis nehmen und daraus die Erkenntnis ziehen, dass sich offensichtlich nicht wenige unserer Fans genauso benehmen, wie sie es von Teilen unserer Gesellschaft vorgelebt bekommen: Ellbogen raus und nach mir die Sintflut! Von der Lärmbelästigung unserer Nachbarn und dem Müllberg mal ganz zu schweigen.
Im Nachhinein ist dies nicht zu ändern, wir müssen nun aber sehen, dass wir für die Zukunft besser vorbereitet sind. Es sind in den letzten Tagen etliche Verbesserungsvorschläge unterbreitet worden, was den Tag der Karten- bzw. Quittungsausgabe betrifft. Das ein oder andere dabei ist durchaus überlegenswert. Am Ende bleibt jedoch leider die Erkenntnis: Egal, wie man es macht, zum Schluss wird sich definitiv irgendwer benachteiligt fühlen, weil das Grundproblem (zu wenig Karten) vorläufig nicht zu beseitigen ist. Auch der Ansatz, mit massivem Ordnereinsatz und etlichen Gittern die Warteschlange zu bändigen ist nicht wirklich glücklich. Was wäre am Samstag wohl passiert, wenn Ordner unter Einsatz vom sog. „unmittelbaren Zwang“ Vordrängler entfernt hätten? Ich glaube, das wollen wir uns alle lieber nicht vorstellen.
Was uns zusätzlich erschreckt hat: Einige Mail- oder Briefschreiber schießen in ihrem Frust etwas weit übers Ziel hinaus, beschimpfen in unnötig rabiater Art und Weise wahlweise den Verein, den Fanladen oder USP, teils vermischt mit abstrusen Unterstellungen. Wir erinnern daran, dass in den damaligen Gesprächen den Partnern von Fanladen und USP deutlich gesagt wurde, dass der Verein das Projekt sofort beenden wird, sollte es zu Unregelmäßigkeiten dahingehend kommen, dass die Kartenvergabe nach „Vitamin B“ abläuft, dass also das Prinzip „first come – first serve“ unterlaufen wird. Um es deutlich zu sagen: Etliche Mitglieder von USP haben ebenfalls keine Quittung erhalten. Aus den gleichen oben benannten Gründen, wie andere auch.
Wie gehen wir also nun damit um? Zunächst müssen wir erkennen, dass das Konzept der Südkurve schon da an Grenzen stößt, dass sich niemand nur freiwillig für diesen Stadionbereich um eine Karte bemüht, sondern oft schlicht deshalb, weil es durch den Stadionumbau bedingt keine andere Möglichkeit gibt, eine Dauerkarte zu erhalten. Wir haben uns mit den anderen Beteiligten in Ruhe hingesetzt und versucht, Möglichkeiten zu eruieren, zumindest für die kommende Saison eine Lösung zu finden, dass ein Teil der Leute noch mit Karten versorgt werden können, die am Samstag leer ausgegangen sind. Hierfür müssen aber zunächst eine ganze Menge Daten ausgewertet werden um herauszufinden, über welche Zahl wir reden. Von daher bitten wir um Geduld, da dieses Prozedere sich noch etwas hinziehen wird. Wir sind dran!
Da der Bau der neuen Gegengerade (welche dann eine spürbare Entlastung bringen wird) erst in 2 Jahren realisierbar sein wird, müssen wir auch darüber sprechen, inwieweit das Konzept der Südkurve bis dahin umsetzbar ist oder welche Maßnahmen greifen müssen, um Zustände wie am vergangenen Sonnabend zu vermeiden. Diese Gespräche werden wir mit der gebotenen Sorgfalt führen. Schlussendlich wollen eigentlich alle nur eins: Den FC St. Pauli unterstützen. Und zwar so, wie jeder und jede es für richtig hält. Keiner ist besser oder schlechter als der andere! Nur müssen wir uns alle wieder darauf besinnen, was es heißt, St. Pauli-Fan zu sein. Dies sollte nämlich auch beinhalten, andere Fans unabhängig von Alter, Geschlecht, Dauer des Fanseins oder Intensität der Anfeuerung im Stadion zu tolerieren. Da sollte doch zumindest so lange zu schaffen sein, bis das Stadion wieder mehr Raum bietet, so dass jeder und jede eine Ecke findet, die einem zusagt.
Wenn wir eine praktikable Lösung gefunden haben, bzgl. der kommenden Saison zumindest einiges Leid abzumildern, lassen wir es Euch sofort wissen!
Forza St. Pauli
Sven Brux
Leiter Organisation und Sicherheit
St. Pauli, 05.03.10

















